Eigentlich müßte der Artikel "Angebot und Nachfrage mit OpenSeSim" heißen, aber "Inflation und Deflation" geht auch, da Inflation und Deflation i.d.R. unmittelbare Folgen von Angebot und Nachfrage sind.
Nachdem wir gesehen haben, wie wir mit KO-Scheinen, CFDs oder anderen (un)geeigneten Finanzninstrumenten kein schnelles Geld an der Börse erzocken können, will ich nun einmal das Phänomen von Angebot und Nachfrage im Börsensimulator OpenSeSim betrachten.
Ich gehe davon aus, OpenSeSim sei auf "Werkseinstellungen" (ggf. File -> Reset to defaults wählen), und wir starten eine Simulation mit 500 Bobs, wobei Alice nicht mitmachen darf (Edit -> Traders, Bobs auf 500 setzen, kein Häkchen bei Enabled für Alice). Die Bobs bekommen zum Start jeweils 10.000 Euro und 100 Aktien:



Wenn wir die Simulation jetzt starten, schießt der Kurs sofort vom gesetzten Startpreis von 100 Euro auf 200 Euro und pendelt sich dort ein:

Und wenn wir den Bobs weniger Geld geben, wenn sie jeweils nur 5000 Euro bekommen,

dann fällt der Kurs sofort und pendelt sich bei 50 Euro ein:

Nein, doch, oh! Wer hätte das erwartet?
Wir sehen hier das simple Prinzip von Angebot und Nachfrage. Haben die Trader mehr Geld, können sie mehr für Aktien ausgeben, also steigt der Preis, und haben sie weniger Geld, fällt der Preis, weil sie schlicht weniger bezahlen können.
Beim Bier mit einem Kumpel hatte ich mal gesagt, der Kaffee sei so teuer geworden, weil das Bürgergeld erhöht wurde (Ich hätte es auch auf den Bierpreis beziehen können).
Mein Kumpel wollte das nicht glauben, und sicher war meine These auch etwas zugespitzt, vielleicht vereinfacht, etwa andere Faktoren wie miese Kaffee-Ernten außer acht lassend, aber vom Grundsatz ist sie richtig. Die Bürgergeldempfänger haben mehr Geld, also steigt der Kaffeepreis.
Wie oft heißt es doch, es sei alles so teuer, man könne sich kaum noch etwas leisten, das Bürgergeld und die Löhne, auch der Mindestlohn müssten erhöht werden. Werden die Löhne dann schließliche erhöht, steigen die Preise, und das Gejammer wiederholt sich.
Wäre es nicht besser, das Bürgergeld und die Löhne zu senken? Dann würde nämlich alles billiger werden.
Egal, ob mehr oder weniger Geld, es liegt nämlich nicht am Geld. Es liegt an den Waren! Damit die Leute es sich leisten können, müssen die Dinge, die sie haben wollen, auch produziert werden. Es braucht nicht mehr Geld, es braucht mehr Kaffee!
Nur lassen sich nicht alle Waren beliebig mehr produzieren. Dachgeschosswohnungen in Berlin Mitte zum Beispiel und Wohnungen im Allgemeinen. Es sind nicht die Miethaie, die aus reiner Profitgier die Wohnungen für horrende Preise vermieten, es sind die Mieter, die Menschen, die sich auf ein geringes Angebot stürzen und sich gegenseitig überbieten.
Wir könnten uns das jetzt in OpenSeSim als Simulation mit Charts anschauen. Geben wir den Bobs zum Start 10.000 Euro und statt 100 Aktien einfach 200 Aktien (und stellen uns vor, die Aktien seien Kaffee), dann halbiert sich der Preis, aber zudem haben alle Bobs mehr Kaffee. Geben wir ihnen zum Start nur 50 Aktien (weniger Kaffee), dann verdoppelt sich der Preis und sie haben weniger Kaffee.
Hier ist der Chart, wenn jeder Bob nur 50 Aktien und 10.000 Euro hat. Er gleicht dem Chart zu Beginn, als jeder Bob 100 Aktien und 20.000 Euro hatte, mit dem feinen Unterschied, daß jetzt nur rund ein Million Aktien pro Stunde gehandelt werden (unten beim Volumen zu erkennen), während sie zuvor rund zwei Millionen pro Stunden gehandelt haben. Sie haben weniger Kaffee.

Keiner der Bobs denkt kapitalistisch und will seinen Profit maximieren, die Bobs kaufen und verkaufen zufällig, die Bobs sind saudumm, und trotzdem "wissen" sie, daß Kaffee mehr kostet, wenn weniger da ist. (Oder wenn sie mehr Geld haben)
Und genau so dumm sind die Bürgergeld-Empfänger, sie kaufen einfach Kaffee, haben sie mehr Geld, steigt der Kaffeepreis, sie "wissen" einfach, daß Kaffee jetzt teurer ist, nur daß sie dabei glauben, profitgeile Kapitalisten würden ihren Kaffee so teuer machen, dabei sind sie es selbst.
Modern-Monetary-Theoretiker schreien jetzt sicher: Alles Bullshit! Die Simulation ist ein geschlossenes System. Es ist tatsächlich viel komplexer. Drucken wir mehr Geld, beflügeln wir die Wirtschaft, aktivieren brachliegende Ressourcen, dadurch steigen die Preise nicht automatisch, denn es wird doch mehr produziert. Wir müssen natürlich aufpassen, in keine Hyperinflation zu geraten.
Ja, sie müssen aufpassen, sie müssen planen, sie müssen schauen, ob sie schon zu viel Geld gedruckt haben, falls zu wenig produziert wird, sie müssen die Inflation regulieren, Planwirtschaft. Solche Theorien stoßen auf Akzeptanz, denn sie haben ein Feindbild, man hat nicht nicht selbst die Schuld, es sind die Kapitalisten, die Produktionsreserven brach liegen lassen und nur nicht aktivieren, weil nicht genug Geld gedruckt wird. Der Staat möge es regeln. Doch kann er es?
Schauen wir doch einmal auf die RAM-Preise. Was haben 64 Kilobyte RAM vor 40 Jahren gekostet? Vielleicht (umgerechnet) 1000 Euro? Wieviel Kilobyte RAM bekommst du heute für 1000 Euro? Etwa eine Million mal mehr. Ein Kilobyte RAM ist damit eine Million mal billiger als vor 40 Jahren - und das nicht, weil Geld gedruckt wurde, sondern, weil einfach mehr produziert wurde, neue Verfahren wurden entwickelt. Das Angebot an RAM konnte massiv erhöht werden, bald wie Sand am Meer.
Und was haben wir nun gelernt?
Das einzige, was zählt, sind die Waren, der Preis ist nur eine Zahl, die dran geschrieben ist. Geld bedeutet nichts.
Wenn du an der Börse zockst, konzentriere dich nicht darauf, möglichst viel Geld zu erwirtschaften, sondern darauf, möglichst viele Aktien dein eigen zu nennen.
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