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Der mysteriöse Rotweinfleck

Als ich die Wäsche aus der Maschine holte, sah ich, daß bei meinem gelben T-Shirt noch ein Rotweinfleck drin war. Wie konnte das passieren? Ich hatte doch das verbesserte Waschmittel verwendet, jenes, das laut Werbung kürzlich noch einmal verbessert worden war.
Das Waschmittel kannte ich seit über 40 Jahren. Es ist ständig verbessert worden. Jetzt noch besser, hieß es immer. Jetzt mit Riesenwaschkraft, Tiefenkraft, jetzt mit Gigaperls, jetzt mit Hochkonzentrat, noch besser mit Sprudel-Aktiv und Maxitrat, Kampf den Fleckenzwergen und dem Kragenspeck, jetzt noch besser und immer besser.
Aber der Rotweinfleck war im T-Shirt geblieben, obwohl man denken könnte, daß ich dem T-Shirt das Waschmittel nur zeigen müßte, damit der Rotweinfleck verschwindet.

Das Waschmittel war also schlecht, und wenn ich in der Zeit gedanklich zurück gehe, hieße das für die Werbung: Jetzt noch schlechter, Niederlage im Kampf gegen die Fleckenzwerge und den Kragenspeck, jetzt noch schlechter, ohne Maxitrat und Sprudel-Aktiv, jetzt unkonzentriert, Mikroperls, jetzt mit Tiefenschwäche, Zwergenwaschkraft, totale Waschschwäche.

So schlecht mußte das Waschmittel vor etwa 40 Jahren gewesen sein, und ich erinnere mich, als ich das Waschmittel zum ersten Mal in der Werbung sah, war es auch schon verbessert worden. Man könnte meinen, daß ich dem T-Shirt damals das Waschmittel nur hätte zeigen müssen, und das T-Shirt wäre dreckig geworden oder hätte einen Rotweinfleck bekommen.

Und heute, nach 40-jähriger Forschung und Verbesserung, ist das Waschmittel immerhin so gut, daß es vorhandenen Rotweinflecken keine weiteren hinzufügt.

Oder? Wo kam der Rotweinfleck eigentlich her?
War er vor dem Waschen überhaupt schon auf dem T-Shirt?
Ich konnte mich nicht erinnern, auch nicht daran, wann er auf das T-Shirt gekommen war.
So ist das mit Rotwein, man trinkt ihn, und man vergißt, das funktioniert prima. Mit jedem Schluck: Jetzt noch besser, jetzt noch besoffener, und mit jeder Flasche: Jetzt noch mehr Rausch, jetzt noch mehr hacke, bis zum Umfallen.

Nur mit Waschmittel geht es nicht.
Oder?
Vielleicht sollte man es mal probieren? In der DDR hieß es, Spee und Cola ergebe eine phantastische Droge. Ich hab es nie probiert, weil ich es nicht geglaubt habe.
Aber was, wenn doch?
War das alles nur eine als Waschmittel getarnte Droge? Jetzt noch besser mit Sprudel-Aktiv und Tiefenwirkung! Kampf den Fleckenzwergen! Was für irre Halluzinationen das sein müssen.

Und ich Idiot hab immer versucht, damit meine Wäsche zu waschen.

Tags: Werbung, Drogen, Alkohol, Waschmittel, Rotwein

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