Auf der Arbeit ist es fast schon ein Running Gag, wenn einer fragt: Läuft das auch auf OpenIndiana?, dem Nischen-Betriebssystem, das wir höchstwahrscheinlich nie einsetzen werden, das aber einen echt putzigen Namen hat. OpenIndiana ist eine Illumos-Distribution, und Illumos ist ein Fork von OpenSolaris, das wiederum die Open-Source-Version von Solaris ist, das selbst ein Abkömmling von Unix System V Release 4 ist, also im Grunde ein echtes Unix, vom Code her sogar echter als FreeBSD und andere BSD-Varianten. Die Wikipedia hat einen schönen Artikel über die Geschichte von Unix mit einem Stammbaum der Unix-Systeme.
OpenIndiana heißt OpenIndiana, da die Firma Sun damals unter dem Codenamen Indiana die Entwicklung einer nutzerfreundlichen OpenSolaris-Distribution verfolgte, was allerdings nach der Übernahme durch Oracle eingestampft wurde. Seitdem wird OpenSolaris von der Community unter dem Namen Illumos weiterentwickelt und das Projekt Indiana als OpenIndiana. Illumos heißt Illumos, weil es etwas wie erleuchtet oder leuchtend bedeutet und damit einen Bezug zum Namen Solaris hat, der nicht mehr verwendet werden kann, weil er geschützt ist und Oracle gehört. Solaris heißt Solaris, weil es etwas wie sonnenbezogen bedeutet und die Firma Sun (deutsch Sonne) ihn als Namen für das Betriebssystem gewählt hatte.
Der Name Solaris hat damit keinen Bezug zu dem Roman Solaris von Stanisław Lem, der 30 Jahre vor dem Betriebssystem erschienen ist.
In Solaris von Lem geht es um einen Planeten namens Solaris, dessen Oberfläche größtenteils aus einem Ozean besteht, von dem die Menschen nach einhundert Jahren Forschung noch immer nicht verstehen, ob es sich bei dem Ozean um eine Form intelligenten Lebens oder etwas anderes Unbegreifbares handelt.
Es ist schwer zu sagen, was besser ist: Solaris von Lem oder Solaris von Sun, weil beide nicht zu vergleichen sind. Mit Solaris von Sun wurden ZFS und DTrace eingeführt, mit Solaris von Lem tiefe philosophische Fragen aufgeworfen.
Ich kann guten Gewissens empfehlen, Solaris von Lem einmal zu lesen und von Sun einmal zu installieren. Ich hab beides getan, Solaris von Sun in Form von OmniOS, danach hab ich Solaris von Lem gelesen und danach den Film Solaris von Andrei Tarkowski, der auf dem Roman Solaris von Lem basiert, geschaut.
Die Reihenfolge war vielleicht nicht optimal. Vielleicht wäre es besser so gewesen: erst das Buch, dann der Film, dann das Betriebssystem. Manch einer liest vielleicht nur das Buch und installiert nie das Betriebssystem. Ein anderer schaut nur den Film und noch einer installiert nur das Betriebssystem, ohne jemals von Film und Buch Notiz zu nehmen.
Manch einer interessiert sich auch für gar nichts von allem.
3 Kommentare
... und gestern nutzte ich im ÖPNV einen Solaris-Linienbus und sinnierte beim Blick auf den Solaris-Schriftzug über Betriebssysteme und SF-Bücher (Lem) ... Zufälle gibt es ...
... heute ... 22062026 ...
... in 180 Jahren ... 22062206 ...
... ich mag solche Zahlenreihungen ...
... sind mitunter Verwirrung stiftend ...
... auch ... 20260622 ...
... und ... 22060622 ...
... ist doch recht hübsch ...
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