Uniadmin
Skip to content

Wahlomat Berlin

Vor zwei Wochen etwa saß ich mit einem Kumpel beim Bier, und der meinte, ihm hätten viele seiner Freunde erzählt, daß bei ihnen beim Berlin-Wahlomaten die Partei "Die Heimat" rausgekommen sei. Das könne doch nicht sein. Da muß doch was nicht stimmen mit dem Wahlomaten, und ich meinte, da müsse doch was nicht stimmen, das könne doch nicht sein. Oder du hast nur merkwürdige Freunde.
Nee, die sind alle ganz normal, sagte mein Kumpel, und ich sagte, ok, wir machen jetzt den Berlin-Wahlomaten, zückte das Handy und öffnete die Webseite. Bei der ersten These, nämlich "Das Land Berlin soll große private Wohnungsunternehmen gegen eine Entschädigung enteignen", waren wir uns uneins und mußten zunächst diskutieren. Ein Bier später einigten wir uns darauf, daß die These nur unglücklich formuliert sei und besser "Das Land Berlin soll großen privaten Wohnungsunternehmen die Wohnungen abkaufen" heißen hätte müssen und beantworteten die These mit Nein. Bei allen weiteren Thesen waren wir uns schnell einig, manche waren mir egal, die beantwortete mein Kumpel, manche waren meinem Kumpel egal, die beantwortete ich, und am Ende war unser Ergebnis: Die Heimat.
Verrückt! Das kann doch nicht sein, sagten wir beide und bestellten noch ein Bier.
Nun war schon seit einigen Monaten Wahlkampf, Wahlwerbung überall, auch wegen der Wahlen in Sachsen-Anhalt wurde man ständig mit Meinungen und Forderungen zugeschissen, meist in der Insta-Timeline oder auf Facebook, und immer wieder wurde nur gesagt, welche Partei man nicht wählen sollte.
So schickte mir zum Beispiel meine Tante auf WhatsApp ein Video, in dem Dieter Hallervorden erklärte, daß man die AfD nicht wählen solle. Nun könnte ich meiner Tante antworten, daß sie sich keine Sorgen machen müsse und ganz beruhigt sein könne, denn der Berlin-Wahlomat sagt, ich müsse die Heimat wählen, und mir ist noch kein Prominenter zu Ohren gekommen, der gesagt hätte, man solle die Heimat nicht wählen.
Nachdem mein Kumpel und ich uns mit dem letzten Bier vom Wahlomat-Ergebnis freigetrunken und noch über dieses und jenes geplaudert hatten, beendeten wir den Abend. Mein Kumpel ging nach Hause und ich noch in unseren Lieblingsdöner in der Torstraße, den Na-mein-Freund-Döner, den wir so nennen, weil der Döner-Mann uns immer mit "Na mein Freund? Wie immer? Ein Döner?" begrüßt.
Diesmal sagte er aber nicht sogleich "Na mein Freund" zu mir, weil er in ein Gespräch mit dem Kunden vor mir verwickelt war, dem er sagte: Also ich wähle AfD, einmal probier ich das, eine Chance kriegen sie. Und der Kunde sagte: Na, kannste gerne probieren, wirst ja sehen, was du davon hast. Und dann wandte sich der Döner-Mann zu mir: "Na mein Freund? Wie immer? Ein Döner?"

Tags: Wahlen, Wahl-O-Mat, Berlin, Politik, Döner, Heimat, AfD, Bier

    Schreib einen Kommentar